Ende des 19. Jahrhunderts wurden in Deutschland,
Holland, Belgien, Frankreich, Italien, Ungarn usw.
riesige Schafherden von Hirten mit Ihren Hunden betreut.
Je nach Region und Land entstanden unterschiedliche
Typen von Schäfer- und Hirtenhunden: Aus diesen
Vorgängern entstand in Deutschland der "Deutsche
Schäferhund", in Frankreich der "Briard, Picard,
Beauceron" und nahe der spanischen Grenze die
Pyrenäenhunde, in Italien der Maremmano, in Ungarn der
Puli, Kuvasz usw.
Die
belgischen Schafhirten hielten sich Ende des 19.
Jahrhunderts eher kleinere (50 - 55 cm), leichtere (bis
20 kg), futteranspruchslose Schäferhunde (=Hütehunde),
die sich wachsam, temperamentvoll und unermüdlich in
ständigen Bewegungen um die Herden kreisend zeigten. Sie
trieben das Vieh zu den Weidegründen und am Abend von
dort wieder zurück in die Ställe. Auf das Aussehen der
Hunde wurde wenig Wert gelegt, aber auf die
Gebrauchstüchtigkeit und guten Arbeitseinsatz bei
möglichst geringen Nahrungskosten. Durch die ausgeprägte
Verteidigungsbereitschaft waren sie zudem noch bestens
geeignete Bewacher von Haus, Hof , Herrn und Familie.
Den Hirten oder Herrn
durch den starke Bindungsaufbau treu ergeben, waren sie
Fremden gegenüber misstrauisch und zurückhaltend. Diese
Hirtenhunde ähnelten in ihrer Kopfform den Windhunden
und Wölfen, der etwas zugespitzte Fang war aber weniger
stark ausgeprägt und die Ohren waren klein und
dreieckig, hoch angesetzt und leicht nach vorne
getragen. Die Augen waren dunkel, leicht mandelförmig,
der Ausdruck lebhaft, klug, sowie aufmerksam und
wachsam, mit voller Konzentration auf den Herrn. Der
Körper war quadratisch, der Knochenbau leicht. Sein Gang
war tänzelnd und er war ständig in Bewegung. Ein
quicklebendiger Bursche, fröhlich, ausdauernd und
genügsam.
Die belgischen
Schäferhunde waren die Assistenten der
Schäfer, standen bei Fuß, hielten die Augen offen,
reagierten schnell und gehorchten aufs Wort. Schäfer
tauschten die Welpen ihrer "treuen vierbeinigen
Begleiter" untereinander aus und so kam es, dass sich in
geografisch nahe liegenden Gebieten ein gewisser Typus
erkennen ließ. In Belgien und den Niederlanden waren es
zierliche, stehohrige, meist dunkelfarbene Hunde.
Als mit dem Verschwinden
der großen Schafherden auch das Arbeitsgebiet für diese
Hütehunde langsam verloren ging, wuchs das Interesse der
Kynologen für die Reinzucht der belgischen
Schäferhunde.
Am 15.11.1891 rief
Prof. Reul vom tierärztlichen Institut in Cureghem
nach intensiver Beschäftigung mit diesem Hirtenhundetyp
(Herdengebrauchshunden) die damaligen Besitzer solcher
in Farbe (schwarz, grau, braun in allen Schattierungen)
und Fellstruktur (langstock-, rau-, kurzhaarig)
unterschiedlichen Hunde zusammen, um sie im Schlachthof
des belgischen Dorfes Cureghem zu begutachten, mit dem
Ziel einen Gesamtüberblick der in Belgien heimischen
Hunde zu erhalten. Es wurden ihm hierzu in Stückzahl 117
vorgeführt. Die Langhaarigen waren überwiegend schwarz,
selten braun oder wildfarbig, die Rauhaarigen waren
meist gräulich und die Kurzhaarigen zum größten Teil
braun oder beige mit überwiegend dunkler Maske. Prof.
Reul selektierte nach Ähnlichkeit unter der Vielzahl der
anwesenden Hunde drei Idealtypen (Langhaar, Kurzhaar,
Stockhaar) mit der Erklärung und Empfehlung, nur Hunde
derselben Haarart untereinander zu verpaaren ohne
Rücksicht auf die Farbe.


Somit wurde 1892 der
erste Standard verfasst: 55 cm, alle Farben von
schwarz bis rot, langhaarig, kurzhaarig,
rauhaarig, allgemeinen Beschreibung vergleichbar mit dem
HEUTIGEN Standard der Rasse.
8 Jahre lang wurden
sie nach Anweisung des Herrn Prof. Reul gezüchtet. Der
"Klub für Belgische Schäferhunde" war gegründet und der
ehemalige Hirtenhund zum Nationalhund erkoren. Danach
wurde auch ein neuer Standard festgelegt, der
entgegen des Wunsches von Prof. Reul nur noch die Zucht
mit Langhaar von schwarzer Farbe, Kurzhaar von
rot-brauner Farbe und Rauhaar von grauer Farbe zuließ.
Dies wurde auch vom Chefredakteur M.L. Vandersnickt in
der Zeitschrift "Chasse et Peche" veröffentlicht. Die
Züchter der anderen Farbarten waren nicht einverstanden,
dass mit ihren Hunden plötzlich nicht mehr gezüchtet
werden sollte, widersetzten sich dieser Anordnung und
gründeten einen Dissidentenklub, der sehr aktiv und
produktiv war. Dieser Klub war dem "Kennel Club Belgien"
angeschlossen, ersterer der Societe Royale St. Hubert.
Jeder Klub führte sein eigenes Zuchtbuch.
Doch nach ein paar
Jahren (1904) vereinigten sich alle Züchter wieder
unter dem Namen "Verein für belgische Schäferhunde", der
wieder der Hubertus-Gesellchaft unterstellt war. Es
wurde bestimmt, dass in folgenden Arten gezüchtet werden
durfte:
-schwarz, langhaarig mit dem
Namen Groenendael
-rot-braun, langhaarig mit
dunkler Charbonnage mit dem Namen Tervueren
-rot-braun, kurzhaarig mit dem
Namen Malinois
-grau oder rot-braun, rauhaarig
mit dem Namen Laeken.
Benannt wurden die verschiedenen
Varietäten nach den umliegenden Dörfern um Bruxelles,
weil dort damals die meisten Züchter wohnten.
1914 bis 1918 mit dem
großen Weltkrieg und der Besetzung der Deutschen in
Belgien verschwanden sehr viele gute Zuchthunde und die
Arbeit der vergangenen Jahre war dahin. Nach Kriegszeit
bedurfte es wiederum einiger Jahre, um aus den Hunden,
die den Krieg überstanden hatten, gute Nachkommen zu
züchten. Erst in den Dreißigerjahren gab es wieder
größere Mengen, Groenendael hauptsächlich auf den
Ausstellungen. Sie waren von guter Qualität und stellten
einen vorzüglichen Typ dar, wohl etwas größer und
starkknochiger als die Hunde vor dem Krieg, aber
allgemein von eleganter Erscheinung.

Am 8. Februar 1920
wurden auf einer Versammlung in Brüssel die
Vorschriften erleichtert und abgeändert zu 1905 wieder
alle Farben zugelassen, um die Zuchtbasis wieder zu
erweitern, da der Krieg große Lücken im Zuchtmaterial
hinterlassen hatte. Beim Groenendael wurden weiße
Abzeichen an Brust und Zehen toleriert. Anerkannt wurden
alle Farbschattierungen, somit auch Belgischen
Schäferhunde (graue), die weder schwarz noch rot-braun
waren, aber dem Standard vorzüglich entsprachen, auch
Mischpaarungen unter den verschiedenen Farben von
gleicher Haarart und Mischpaarungen unter Kurz- und
Rauhhaar, jedoch nicht die Kreuzung zwischen Lang- und
Kurzhaarhunden. Im Gegensatz zu der Erwartung hat dieser
Beschluss zu keiner Erneuerung geführt. Die Groenendael
und Tervuren blieben mit ein bis zwei Ausnahmen die
einzigen Vertreter der Rasse auf den Ausstellungen.
Von 1939 bis 1945 wütete
der zweite Weltkrieg über Europa und wiederum gingen
in dieser Zeit sehr viele wertvolle Zuchthunde verloren.
Einige wenige Tervueren kamen aus dem Grenzgebiet zu
Frankreich zurück, so dass Hoffnung bestand, diese
Varietät bald wieder aufleben zu lassen. Zwei Laeken
wurden aus dem benachbarten Holland importiert und damit
wieder die Zucht aufgenommen.
Am 21. Oktober
1945 wurde als notwendige Maßnahme für die
Weiterzucht ein neuer Standard nach der züchterischen
Vereinigung aufgestellt, dem vom Februar 1920 angepaßt.
Alle Farbschläge und Haararten wurden wie früher
beibehalten und Mischpaarungen unter den versch. Farb.-
u. Haararten waren erlaubt. Die Größe wurde wie folgt
geändert: Größe für Rüden 62 cm, für Hündinnen 58 cm,,
mit einer Toleranz von 2 cm minus und 4 cm plus.
Ab 1. Januar
1966 erlaubt die FCI nur noch 4 CACIB für die Belg.
Schäferhunde, weshalb die Ausstellungen in 4 Arten
eingeteilt wurde:
-Groenendael schwarz, langhaarig
- 1 CACIB
-Andersfarben rot-braun, beige,
grau, wildfarbig, langhaarig - 1 CACIB
-Malinois rot-braun, grau,
schwarz, kurzhaarig - 1 CACIB
-Laeken rot-braun, grau,
rauhaarig - 1 CACIB
1973 hatte Belgien
als Ursprungsland der Rasse wieder neue Verordnungen
herausgegeben: Keine Kreuzungen mehr unter den
verschiedenen Varietäten; Kreuzungen unter verschiedenen
Varietäten wurden evtl. ausnahmsweise mit der Erlaubnis
der Zuchtkommission des Ursprungslandes gestattet.
Nachkommen aus solchen Kreuzungen durften nur im Anhang
des Zuchtbuches eingetragen werden, bis in der 3.
Generation das Ergebnis von Farbe und Haarart zu sehen
war/ist usw. .......... Somit fiel wieder alles auf das
alte Zuchtreglement zurück, denn es werden nur mehr 4
Varietäten anerkannt: -Groenendael schwarz, langhaarig
-Tervueren rot-braun mit Charbonnage und dunkler Maske,
langhaarig - Malinois rot-braun mit dunkler Maske,
kurzhaarig - Laeken rot-braun, rauhaarig Ein eliminieren
der Andersfarbenen Tervueren (grau, wildfraben usw.)
wurde schon viele Male versucht, aber sie haben sich bis
HEUTE behaupten können, denn sie sind nach wie vor zur
Zucht zugelassen.
Die Zucht der
Belgischen Schäferhunde musste viele Rückschläge
durch die schweren Eingriffe während der Besatzungszeit
in beiden Weltkriegen hinnehmen, aber auch durch die
Einengungen der Zuchtbasis aufgrund immer wieder
veränderter Verordnungen.